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Das neue Buch von Thilo Sarrazin


»Wir schaffen das«

Erläuterungen zum politischen Wunschdenken

Wie funktioniert Politik? Wo liegen die Gründe für den Erfolg oder Misserfolg von Gesellschaften? Und warum ist alles, was wir tun, auch politisch? Thilo Sarrazins Essay behandelt die Kunst erfolgreicher Politik, von den theoretischen Grundpfeilern über den Gegensatz von Verantwortungs- und Gesinnungsethik bis zum Verhältnis von Macht und Opportunismus. Er erklärt politische Theorie und zeigt, wie sehr Politik sämtliche Lebensbereiche durchdringt, sodass wir quasi nicht anders können, als eine Haltung dazu zu entwickeln. Wer dieses Buch gelesen hat, wird Politik mit anderen Augen betrachten und besser verstehen, warum es in jedem Fall lohnt, am politischen Prozess teilzuhaben.

»Wir schaffen das«

Erscheinungstermin: 15.07.2021

ISBN: 978-3-7844-3613-5

20,00 EUR* D

 

 

Das sagt Sarrazin zur Wiederauflage von Deutschland schafft sich ab

 

 

Als Deutschland schafft sich ab im August 2010 erschien, ahnte Thilo Sarrazin nicht, dass er das meistverkaufte Sachbuch der Nachkriegsgeschichte geschrieben hatte. Die Deutsche Verlags-Anstalt DVA hatte das Buch mit einer Startauflage von 25.000 in die Buchläden geliefert. „Diese Startauflage verdampfte sozusagen auf den Büchertischen, trotz schnellen Nachdrucks gab es wochenlang regelrechte Versor­gungsengpässe“, erinnert sich Sarrazin. Von Beginn an wurde das Buch in Politik und Medien kritisiert, vom Publikum aber geliebt. Bislang wurde es mehr als 1,5 Millionen Mal verkauft und erscheint jetzt in 20. Auflage erstmals im Münchner LMV Verlag.

LMV: Herr Sarrazin, das Buch Deutschland schafft sich ab sorgte von Beginn an für Schlagzeilen. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich zu dem Buch und sagte, sie habe es nicht gelesen und werde das auch nicht tun. Regierungssprecher Steffen Seibert nannte das Buch „nicht hilfreich“. Warum stieß Ihr Werk bei Politik und Medien auf so starke Ablehnung?

Sarrazin: Als Mitglied des politischen Establishments hatte ich aus Sicht meiner »Peer-Group« die unverzeihliche Sünde begangen, gegen die herr­schende Orthodoxie zu verstoßen, die lautete, der Islam gehöre zu Deutschland und Migration sei immer gut. Weil jedoch die Fakten stimmen, hat man die Keule des Rassismus herausgeholt. So umgeht man die Auseinandersetzung mit den Fakten. Der absurde Vorwurf des Rassismus spielt immer noch eine zentrale Rolle. Er soll mich als Mensch und Autor delegitimieren, meinen Äußerungen die sachliche Substanz und Glaubwürdigkeit nehmen und mich in ein moralisch fragwürdiges Licht rücken. Bis heute lese ich immer wieder, ich hätte in Deutschland schafft sich ab behauptet, Muslime seien genetisch dümmer. Das ist grober Unfug, der von Medien und politischen Gegnern in diffamierender Absicht verbreitet wurde. Nirgendwo in dem Buch habe ich so etwas behauptet, sondern immer wieder die Wirkung kultureller Faktoren für kognitive Kompetenzen und Bildungsleistung betont. Meine differenzierten Aussagen zur Erblichkeit von Intelligenz wurden schon wenige Tage nach Erscheinen des Buches in einem langen Artikel in der FAZ von den beiden renommierten Intelligenz­forschern Detlev Rost und Heiner Rindermann im Detail unter­sucht und vollumfänglich bestätigt.

LMV: Und trotzdem weisen Sie in Ihrem Buch große Unterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen in Bezug auf Bildung bis hin zu Kriminalität nach.

Sarrazin: Es gibt die vorherrschende Ideologie, dass der Mensch mit seiner Geburt durch Erziehung und Gesellschaft be­liebig formbar sei, vergleichbar einem unbeschriebenen Blatt Papier. Das ist aber nicht richtig. Die genetischen, kulturellen und religiösen Prägungen des Menschen beeinflussen sein Verhalten noch nach mehreren Generationen. Die Herkunft des Menschen, der Einfluss seiner ererbten Eigen­schaften sowie seine kulturelle und religiöse Sozialisation sind für die Zusammensetzung und die Entwicklung der menschlichen Ge­sellschaft alles andere als gleichgültig. Und das untermauere ich in Deutschland schafft sich ab mit öffentlich zugänglichen Fakten. Hier geht es eben nicht um Rassismus. Der Rassismus beginnt dort, wo festgestellte Unterschiede mit Wertungen versehen und bestimmten Gruppen je nach ethnischer Herkunft pauschal zugeschrieben werden. Das ist eine klare Trenn­linie, die ich aus tiefer Überzeugung in allen meinen Publikationen und öffentlichen Äußerungen stets beachtet und auch betont habe.

LMV: Trotzdem wurden Sie inzwischen aus der SPD ausgeschlossen …
Sarrazin:
Ja, ich war 47 Jahre Mitglied der SPD. Man wird sehen, ob mein Ausschluss der SPD hilft, wieder jene Volkspartei zu werden, die sie so gerne sein möchte. Bislang sieht es nicht so aus. Als Deutschland schafft sich ab im August 2010 erschien, hatte die SPD noch bei 30 Prozent gelegen. Man hätte meine War­nungen und Vorschläge damals ernst nehmen können, dann stünde die SPD heute womöglich deutlich besser da, und die AfD hätte niemals die Fünf-Prozent-Hürde überwunden, falls sie überhaupt gegründet worden wäre.

LMV: In der Neuauflage von Deutschland schafft sich ab sprechen Sie sich ausdrücklich für das Asylrecht aus …

Sarrazin: Aber natürlich. Huma­nitäre Ziele müssen wir sichern durch die Gewährung politischen Asyls für tatsächlich politisch Verfolgte und durch Unterstützung von Kriegsflüchtlingen auf ihren Heimatkontinenten in der Nähe ihrer Herkunftsländer, außerdem durch eine entsprechende Ausrich­tung der Entwicklungshilfe. Aber für mich ist auch klar, dass das heutige Asylrecht nur dann haltbar ist, wenn die abgelehnten Asylbewerber grundsätzlich in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden.

LMV: Es ist davon auszugehen, dass auch die 20. Auflage Ihres Buches die Debatte um Einwanderung und Islam wieder stark beleben wird.

Sarrazin: Ganz sicher wird die Debatte noch einmal angeregt, weil Deutschland schafft sich ab einer zentralen Grundannahme der Gegenwartskultur widerspricht. Danach dürfen Biologie, Herkunft, geistige Gaben, Kultur, Religion und Geschlecht für Individuum und Gesellschaft keine Rolle spielen. Ich meine dagegen, dass wir in der Gesellschaft Fairness und Chancengleichheit brauchen und von beiden gar nicht genug haben können. Auf dieser Grundlage soll dann jeder seine Anlagen und Talente bestmöglich entfalten können und sie einsetzen, wie er es möchte. Die auf das Individuum gerichtete Politik muss immer den Ein­zelnen sehen. Für die Steuerung der Gesellschaft insgesamt, etwa für die Einwanderungs-, Bildungs- oder Gesundheitspolitik, ist es aber sehr wichtig, gruppenbezogene Unterschiede zu beachten und an ihnen die staatliche Politik vorausschauend auszurichten.

 

 

 

 

Diskussionsrunde über die Flüchtlingskrise mit Oskar Lafontaine, Peter Gauweiler und Thilo Sarrazin